Team Dr. Love - Frage vom 31.1.2017

"Findet ihr, Seminarleiter/innen sollten selbst nicht bei intimen Übungen mitmachen und auch für die Dauer eines Workshops keine intime Beziehung zu Teilnehmer/innen aufbauen?"

Ramos Strzygowski antwortet:

Liebe Fragende/r, hmm, ich lese erstmal die Suche nach Orientierung und einem (moralischen) Werturteil anläßlich deines Erlebens in einer bestimmten Situation.
Ein Werturteil über die Situation, die Du erlebt hast, kann und will ich nicht abgeben. Gerade die Erlebnisse in Zusammenhängen von (zB tantrischen) Selbsterfahrungsgruppen sind von außen schwer zu beurteilen, weil neben der (ggf bewußten) Annäherung an Grenzen auch immer wieder (unbewußte) Überschreitungen und Schutzreaktionen vorkommen... und zwar von Seiten der Leitungsperson(en) als auch von Seiten der Teilnehmer/innen.
Ich finde das ganz verständlich, denn wir alle sind in Entwicklung begriffene Menschen.

Du hast in Deiner Frage zwei Dinge erwähnt: dass die Seminarleitung bei intimen Übungen mitmacht und während des Workshops intime Beziehungen aufbaut.

Bei Letzterem habe ich auf alle Fälle einen klaren Standpunkt: ich meine, es darf während eines Workshops keine intimen Beziehungen zwischen Leitung und Teilnehmern geben.
Ich interpretiere "intim" in diesem Zusammenhang mal etwas 'enger', also als geschlechtliche Begegnungen (Sex); weil: eine Begegnung in einem Workshop ist immer "intim" in dem Sinne, dass dabei ein zutiefst innerlicher Raum betreten wird, ein heiliger Raum, in dem Heilung stattfinden kann. Das kann durch Blickkontakt, energetische oder auch durch körperliche Berührung geschehen, bei rotem Tantra oder bestimmten Formen des SexualHealings sogar durch geschlechtliche Vereinigung. Hier geht es also erstmal um Intimität, die über das Thema des Workshops hinausgeht.

Um meinen Ausgangspunkt zu erklären. Ich leite seit vielen Jahren Workshops und sehe das Setting eines Workshops immer als "hierarchisch" an, weil die Workshopleitung etwas 'anbietet', einen Raum oder die Vermittlung einer Fähigkeit, was sie 'anleitet' und dadurch immer ein Machtgefälle zu den Teilnehmern zu bestehen scheint. (Ich kenne Kollegen, die sehen das anders, ich vertrete hier den eher traditionellen Ansatz, der auch für Therapeuten gilt).
Durch dieses Machtgefälle können (und werden) verschiedenste psychische Mechanismen und Handlungen ausgelöst, die zb eine Unterordnung der Teilnehmer fördern oder ein "Hervorheben" der Leitungsperson(en), die bekannte 'Übertragung'. Und dies Setting löst dann evt auch Verliebtheit und sexuelle Begierlichkeiten aus, auf der Seite der Teilnehmer/innen hin zum Leiter oder auch der Leitung hin zu Teilnehmerinnen.

Da ich das Workshopsetting als therapeutisch geprägten geschützten Rahmen verstehe, in dem die Teilnehmer, aber nicht die Leitung sich selbst entdecken sollen, halte ich eine sexuelle Beziehung darin für unangebracht, im Zweifel sogar für schädlich.
Das hat seinen Grund darin, dass von den meisten Menschen gerade sexuelle Hingabe mit vielen anderen Aspekten verbunden wird, also zB mit dem Wunsch dem Lehrer (in seiner Funktion als Lehrer, nicht als Person) nahe zu sein, sich dem "Wissenderen" anzuvertrauen und eigene Grenzen deswegen schnell zu übergehen oder dem Wunsch damit eine dauerhaftere Beziehung zu begründen; oder auch der Tatsache, dass man als Workshopteilnehmer ungeheuer offen ist und deswegen der Workshopleitung Einfluß zugesteht, ohne ihn entsprechend seines Alltagsbewußtseins zu hinterfragen. Das kann leider alles zu im Nachhinein sehr unerwünschten Begebenheiten führen (Berühmt-berüchtigt ist die Einladung von Novizinnen in den "inneren Kreis" um den Tantra-Lehrer ... manchmal begleitet mit Ego-Verstärkern wie "weil du so besonders begabt bist" oder "er sieht etwas ganz besonderes in dir"... bei denen es aber eben nur um Sex des Leiters mit den Teilnehmerinnen geht.)

Ich meine, wenn sich eine nähere (intime) Beziehung entwickeln soll/kann, dann sollte die bis nach dem Workshop Zeit haben. Das schont die Nerven aller Beteiligten :)

Etwas anderes ist es mit dem ersten Teil Deiner Frage: soll/darf die Leitung Übungen mitmachen? Hier ist eine generelle Antwort schwieriger.

Ich sehe es als Aufgabe der Workshopleitung, für die Dauer des Workshops den Raum zu halten / einen sicheren Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem die Neuerungen sich entfalten können... was manchmal und unvorhersehbar zu heftigen (emotionalen) Reaktionen bei den Teilnehmern führt. Die Leitung sollte den Überblick über die Entwicklung bei den Teilnehmern haben/behalten um auf diese Prozesse reagieren zu können. Das kann durch in die verbale Begleitung eingestreute Bemerkungen geschehen, oder auch nur in einem Blickkontakt oder im energetischem Unterstützen des Prozesses bestehen, also relativ unbemerkt ablaufen. Im Extremfall kann es natürlich auch bedeuten, direkt einzugreifen in die Handlungen der Workshopteilnehmer.

Natürlich soll jede/r Teilnehmer/in seine/ihre eigenen Prozesse machen dürfen, es geht also nicht um lückenlose Kontrolle (oder Betüddelung) - aber es soll eben im Zweifelsfall der Leitung möglich sein, relativ schnell einzugreifen. Deswegen ist es m.E. also "eigentlich" angeraten, sich aus der Teilnahme an Übungen herauszuhalten, wenn man einen Workshop leitet. Andererseits gibt es immer wieder Gegebenheiten, die halt erstmal so sind: zB wenn die Gruppe bei einer Paarübung überraschenderweise ungleichzahlig ist und es keine Ersatzperson (Assistenz) gibt.

Wenn ein echter Grund besteht, kann der Leiter sicher mitmachen, sofern er dann noch das Gesamtgeschehen im Blick hat und ggf eingreifen kann ( und sein Übungspartner weiß, dass das passieren kann und damit umgehen kann) - für mich ist das aber eine Grenzsituation, die ich lieber vermeide. (Deswegen zB bestehe ich bei Workshops, die viele Paarübungen beinhalten, trotz des hohen organisatorischen Aufwandes auf einer Anmeldung und Anzahlung vor Kursbeginn. So ist am relativ besten sichergestellt ist, dass auch zu Abendworkshops die Angemeldeten wirklich erscheinen).
Wenn die Leitung mitmacht, muß sie selbst entscheiden, weit sie sich auf die Übung einlassen und dem Übungspartner ein persönlicher authentischer Übungspartner sein kann und gleichzeitig außerhalb des eigenen Übungspaares das Gesamtfeld überblicken und ggf kontrollieren kann. Auf alle Fälle ein Grenzbereich, der immer wieder zu Diskussionen führt und bei denen die Leitung sehr selbstkritisch sein sollte.

Das klingt nun zwar ein bischen wie "Radio Eriwan" :)
Ich meine, wichtig ist letztlich, unabhängig davon, wie die Situation konkret gelöst wurde, die Frage, was Du selbst daraus für Dich mitgenommen hast, wenn Du Wertungen über das Tun Anderer ganz beiseite läßt.

Herzliche Grüße
Ramos
(Liebesschule)


Ilka Stoedtner sagt:

Aus therapeutischer Sicht ist dies in meinen Gruppen ein absolutes No Go für Leitung und Team:

Man kann nicht gleichzeitig eine Übung leiten, den Raum halten, für sämtliche Teilnehmer DA sein sowie selbst 100% die Übung genießen. Vielleicht im Tanzkurs aber nicht in therapeutischen Gruppen, in denen es um Erweiterung oder Bewusstsein (u.a. in der Sexualität) geht.

Ich bezeichne solche Aktionen als unprofessionell.

Seit Freud steht die Frage mit den intimen Beziehungen zwischen Therapeut und Klient. In den 70iger/achtziger Jahren und auch später gab es reihenweise Beziehungen, Sex zwischen meist weiblicher Klientin und Therapeut. Meist mit voraussehbaren ungutem Ausgang.

Es ist ja auch so einfach im Vergleich zur freien Wildbahn: Als Gruppenleiter steht man im Rampenlicht und unter dem Sternenhimmel der Projektion.
Sie fühlt sich bestätigt vom Alphatier, er sonnt sich im Lichte der Projektion. Alles verständlich. Wer würde da nicht gerne zugreifen?

Da die die Psyche allerdings so komplex ist, die Projektionen aufeinander zur allgemeinen Verwirrung beitragen und viele Menschen verstrickt und/oder irritiert sind mit dem Thema Liebe und Sexualität, geschweige denn ihr ganzes Potential entdeckt haben, - ist es beim Ringen um Bewusstsein komplett hinderlich.
Alle Erfahrungen, die ich kenne bestätigen dies.

Und mag es dennoch so verlockend sein! Oft sind die lang kreierten teils sakralen, lustvollen Räume von beeindruckender Schönheit, Intensität und tief berührender Wahrhaftigkeit .
Ich persönlich finde es (sehr oft :)) schade, nicht einfach Teilnehmerin in meinen Gruppen zu sein! Oft sitz ich dann mit meiner Kollegin lächelnd daneben : Tja, wir müssen draußen bleiben. Und es ist gut so!

www.ilka-stoedtner.de


Thomas Beutler meint:

Wenn dies für dich ein wichtiger "Schutzraum" ist, du dies so brauchst/willst suche Veranstaltungen & Seminarleiter aus, die dies gewährleisten. Erlaube dir dabei auch explizit dies detailliert nachzufragen.

Für mich hängt das vom Thema und Gestaltung/Länge der Veranstaltung ab. Da gibt es für mich Tendenzen aber keine absoluten Vorgaben. Und jeder Seminarleiter wird das potentiell für sich individuell entscheiden; gibt aber auch bestimmte Lehrinhalte/-einrichtungen (staatliche Einrichtungen, Kirchen, VHS, Quodoska, bestimmte Tantra-Institute, …), die hier klare Vorgaben für ihre Seminarleiter geben.

Die nächste Frage ist auch, was du unter Intim verstehst. Die meisten verstehen darunter wohl sexuelle Energie miteinander potentiell unter Einbeziehung der Geschlechtsorgane.
Für mich bedeutet Intimheit mit anderen = "wahrhaftiges Sein in Begegnungen". Wo z.B. Heilung, offene tiefe Kommunikation, Verständigung, passende soziale/körperliche Bedürfnisse (gehalten werden/halten, Mama/Papa haben/sein, …) zu einander finden und "erfüllt" werden. Die wenn stimmig auch erotisch/sexuell sein können. Aber eben nicht müssen, damit es für mich "intim" ist.

Für mich persönlich, mein Team & die Teilnehmer ganz klar: es bedarf für intime sexuelle Übungen Bewusstheit, Klarheit und vorher kommunizierte Absprachen (Grenzen) und die Möglichkeit an Raum/Zeit danach auch über das Erlebte/Geschehene dort noch reden zu können. Es ist ein Raum für die Bedürfnisse/Wünsche der Teilnehmer.

Dann kommt es für mich auf die Situation an. Was soll mit den Übungen erreicht werden, wie lange gehen die; wie intim sind die? Braucht es für die Übung ein vorheriges detailliertes Zeigen? Sind es Neulinge oder z.B. erfahrene Teilnehmer, mit denen ich schon länger arbeite? Halte ich den Raum, in den ich draußen sitze und für Fragen/Anregungen zur Verfügung stehe oder geht es um das kreieren eines gemeinsamen Events, bei dem alle beteiligt sind? Wie weit bin ich da gerade multitasking-fähig, kann den Raum halten auch wenn ich mitmache? Was sind meine persönlichen aktuellen Bedürfnisse/Wünsche, könnten die im Weg stehen? Bin ich mir meiner potentiellen Projektions-/Anhaftungsfläche als Seminarleiter bewusst und kann das auch mit dem Gegenüber gut kommunizieren? Ist allen Teilhabenden klar, was für ein intimer Raum entsteht, der neben neuen schönen Erlebnissen auch leicht "Verwechslungen" im Bereich der Liebe/Beziehung/Bedürfnisse/Begehren/Gefühle/… produziert; gibt es für deren "Klärung" Raum & Werkzeuge?

Idealerweise habe ich ein(en) Assistenten-Team dabei, welches bei ungeraden Teilnehmerzahlen bei den Übungen einspringt oder auch es "vorführt". Doch nicht immer ist dies gegeben oder es passt nicht mit dem "übrig gebliebenen" Teilnehmer überein. Wenn ich und/oder Assistent(innen) mitmachen; wählen nicht wir, sondern die Teilnehmer uns aus (Ausnahme das Vorzeigen, wo wir nach Bereitschaft fragen). Im Team wird auch darüber gesprochen, wo es zwischen uns und Teilnehmern Verbindungen/Anziehungen gibt, damit da Klarheit & Transparenz ist.

Bei meinen "Lebenszeiten" auf der "Reise ins magische Ich" kommen wir als Gruppe eine Woche lang zusammen. Um eine gute gemeinsame Zeit zu haben und uns wahrhaftiger im Spiegel des Gegenübers zu finden und in die Welt zu bringen. Dazu gehört es auch an seine Grenzen zu gehen und wer möchte diese zu überschreiten, hier mal was Neues zu wagen. Damit es aber den dazu nötigen Schutz- & Vertrauensraum gibt, darf es dabei Einladungen, aber kein schubsen oder Gruppendruck geben. JedeR geht in seinem Tempo/Geschwindigkeit seine persönlichen Schritte. Dies ist eine Reise des Bewusstsein und der Klarheit über all die Gefühle, Bedürfnisse oder auch Projektionen dazu in mir. Geht dabei vorwiegend um das innere Erleben/Fühlen/Finden; das äußere bietet dazu nur den Rahmen. Das heißt wir sind die ganze Gruppen-Zeit in einem intimen wahrhaftigen Raum, potentiell jenseits von moralischen (gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, religiösen, elterlichen ) Vorgaben. Meistens leite & halte ich den Raum, gelegentlich gehe ich hinein und bin das Gegenüber oder Teil des Events.

Wenn ich kurze (2-8h) Workshops anbiete z.B. "Bedürfnisse der Genitalien an Berührungen jenseits von sexueller Energie", "Finde dich selbst im Spiegel des Gegenübers", "Präsenz im Wurzelchakra" oder "Intimsein ohne Reue" etc. halte & kreiere ich den Raum, gebe mein Wissen/Erfahrungen weiter, leite an. Sorge für gerade Anzahlt der Teilnehmer, bin nicht Teil der Übungen; es sei den, jemand fällt dabei plötzlich aus.

Wenn es eine hohe Anziehung zwischen Leitung & Teilnehmern jenseits der Projektion - weil hier 2 Seelen gemeinsames Wachstum verabredet haben - gibt, wird diese real gelebt erst nach dem Kurs.

Spannender als solch eine (nicht allgemein beantwortbare) Grundsatzfrage zu stellen, fände ich es, wenn du das, was du da wahrscheinlich erlebt/gefühlt hast (oder falls du selber Seminare solcher Art anbieten willst) direkt in dir angehst, darüber redest. Schaust was da ausgelöst wurde, welche Bedürfnisse du hast. Braucht deutlich mehr Mut, hat aber dann die Chance, dass du wahrhaftige Antworten in dir finden kannst. Mehr persönlichen Selbstwert in dir, statt äußere Autoritäten.

Thomas Beutler
reise-ins-magische-ich@web.de


Christopher Gottwald antwortet:

Eine schöne, schwere und heikle Frage! Ich habe viele Jahre Theaterworkshops gegeben, und da war es immer klar, dass ich als Leiter nicht mit auf die Bühne gehe, höchstens um mal etwas zu zeigen. Damit behält man den Überblick und macht sich auch weniger angreifbar. So entsteht eine ominöse Workshopleiteraura, bei der alle Teilnehmer*innen fasziniert zuhören und alles glauben, was man sagt.

Dann habe ich mit Beziehungs- und Begegnungsworkshops begonnen und auch da Übungen angeleitet und zugeguckt, wie die anderen spannende Dinge tun. Es ging mir dabei vor allem um Authentizität und ich merkte, dass ich gerne mitmachen würde, aber "das ja nicht geht". Natürlich habe ich auch Beziehungen aufgebaut, habe das aber in den offenen Runden nicht gezeigt. So entstand die Frage: "Wie kann ich Workshops über Authentizität geben, wenn ich es selber nicht bin?".

Seitdem begebe ich mich mit rein, mache die Übungen mit und zeige in den Sharings was in mir vorgeht. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich dadurch nicht weiterhin den Raum halten könnte. Ich habe festgestellt, dass das überhaupt kein Widerspruch ist und es für die Teilnehmer*innen hilfreich und entspannend ist, wenn sich Workshopleiter*innen selber zeigen und verletzlich machen. Und dabei finde ich es total wichtig und spannend das Thema anzugucken, dass Workshopleiter*innen durch ihre Position besonders attraktiv sind und was dadurch für Dynamiken entstehen. Wenn dies ausgesprochen wird, ist es möglich, uns wirklich ehrlich und auf Augenhöhe zu begegnen und das ist es, was wir unbedingt lernen sollten (wie auch Vivian Dittmar in ihrem Buch "beziehungsweise" schreibt).

Seit ein paar Jahren gebe ich nun auch Workshops, die mit Sexualität, Erregung und genitalen Berührungen zu tun haben (ich weiß nicht, ob du das mit "intimen Übungen" meintest). Ich habe festgestellt, dass da für mich eine Grenze erreicht ist - konkret habe ich das bei einem Kurzworkshop Genitalmassage erlebt: Ich konnte eine Yonimassage geben und gleichzeitig 40 Menschen erklären, was ich da tue. Aber als ich anschließend eine Lingammassage erhalten habe, hat mein Sprachzentrum irgendwann ausgesetzt und die Teilnehmer*innen waren sich selbst überlassen... :-)

Viele Grüße
Christopher
www.christopher-gottwald.de

 

Duo Wolfsmond sagt:

Liebe/r Fragende,
die Frage ist definitiv ein heißes Eisen, und auch Tandana und ich sind da nicht der selben Meinung.

Kurz von mir widergespiegelt sagte sie, dass eine solche Intention beim / bei der Seminarleitenden das Lernfeld und den sicheren Raum stört, einen Nebenschauplatz aufmacht, der vom Seminarinhalt und den Zielen der/s Teilnehmenden ablenkt. Sie meint aber auch, dass Lust und Liebe nicht immer fragen, wo sie hinfallen, und dass daran nichts schlechtes ist, wenn's denn dann doch mal knistert. Sie selbst hatte mal eine Affäre mit einem ihrer Tanzlehrer, und es war völlig okay. Sie geht davon aus, dass Du von keiner bestimmten Art von Seminaren sprichst, also Tantra genauso gemeint sein kann wie EDV oder (Straßen-)Verkehrserziehung. Gerade aber in intensiven Selbsterfahrungsgruppen findet sie es besonders unangebracht, es können zu viel Projektionen, Übertragungen und Verstrickungen passieren.

Ich hingegen bin davon ausgegangen, dass Du von Seminaren sprichst, wo es auch irgendwie um Sexualität geht. Darauf bezogen bin ich der Meinung, dass es, wie fast überall im Leben, auch in dieser Frage kein grundsätzliches falsch & richtig, geschweige denn gut & böse gibt. Ich denke, entscheidender ist das Wie und Wofür. Ich selbst habe es als Teilnehmer erlebt, dass in einem Wochenendseminar ein offener Begegnungsabend, in dem die LeiterInnen Teil der Gruppe wurden, sehr sinnhaft in die gesamt Prozessarbeit integriert wurde. Es ging darum, sexuelle Sehnsüchte und vor allem Projektionen besser zu verstehen und Wünsche und Grenzen besser zu kommunizieren, und da war der offene und teilweise konfrontative Einstieg der wesentlich erfahreneren SeminarleiterInnen in das sexuelle Geschehen sehr förderlich. Ich bin der Ansicht, dass es im Tantra niemals um Traditionen oder Grundsätze gehen sollte, sondern immer um Präsenz und Achtsamkeit, das neue umarmen, erspüren, erleben, beobachten, was macht es mit mir, und eigenverantwortlich mit sich, seinen Bedürfnissen und Grenzen umzugehen lernen. Darum sind auch die meisten unserer Veranstaltungen keine klassischen Seminare, sondern "Erlebnisräume", die wir gemeinsam mit unseren TeilnehmerInnen für diese genauso wie für uns selbst kreieren. Wir haben uns für diese begriffliche Trennung entschieden, da es uns für das Einander-Verstehen sinnvoller erschien. Aber bei genauerem Hinsehen, finde ich, dass dieser Fokus auf Rollen und Begriffe gar nicht so sinnvoll ist.

Letzten Endes geht es immer um bewusste Begegnung. Wenn ich eine Gruppe leite, der ich kommuniziert habe, "Dies ist ein therapeutisch geschützter Raum", halte ich einen Raum, in dem ich viel Verantwortung für mich und auch die anderen übernehme. Solange ich aber meinen Grundwerten von Achtsamkeit und Eigenverantwortung folge, ist es in einer sexuellen Begegnung nicht anders. Darum sehe ich auch keinen Widerspruch darin. Solange ich der Meinung bin, ich kann diesen "doppelten Raum" halten (SeminarleiterInnen sind ja oft auch nicht allein), und solange ich klar kommuniziert habe, dass Achtsamkeit, Eigenverantwortung und das gegenseitige Einvernehmen der Rahmen sind, in dem wir alle agieren, ist alles in bester Ordnung.
Aber ich gebe zu, dass das, was ich beschreibe sicherlich eine fortgeschrittene Disziplin für beide Seiten darstellt und alles andere ist als "eine sichere Sache". Sicherheit ist aber auch nie mein Weg gewesen, ich plädiere mehr für das mutige und offenherzige Forschen in Gebieten, für die es noch keine Landkarte gibt. Ich finde dort ein Minimum an Regeln meist sehr hilfreich. Darum ist es gut, dass ich Tandana an meiner Seite habe.

Soviel zu unserer Meinung. Uns beide würde als Dr.Love aber sehr interessieren, was hinter Deiner Frage steckt. Hast Du eine Erfahrung gemacht? Als TeilnehmerIn oder SeminarleiterIn? Oder denkst Du darüber nach selbst etwas zu gestalten? Was hat Deine Frage mit DIR zu tun?

Neugierige Grüße
Chono (mit Grüßen von Tandana)
Duo Wolfsmond - Creative Tantra Events - kontakt@duo-wolfsmond.de

 

Lea sagt:

LeaEine intime Beziehung während eines Workshops oder einer Therapie aufzubauen ist unprofessionell, unethisch und geht GAR nicht!

Übungen mitmachen.. nun ja, in begrenztem Rahmen.

Die Grenze wäre da überschritten, wo der WSLeiterin die Erregung die Stimme raubt.

Viel Klarheit wünscht
Lea
Heilpraktikerin und Sexberaterin
www.coachlea.de

 

 

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