Team Dr. Love - Frage vom 28. Februar 2017

Frage: "Wie im privaten Kontakt Helfer-Modus ausschalten? "

Liebes Dr. Love Team,

Wie bekomme ich es als Bodyworker und Coach hin, im privaten Kontakt meinen Helfer-Modus auszuschalten?

Ich arbeite als Tantra-Masseur und gehe immer mehr Schritte in die Richtung Sexual-/BodyAwareness-/Selbstliebe-Coach zu sein. Ich bin gerade sehr darauf gepolt mit Frauen, mit denen ich in Kontakt gehe, auf die Weise zu interagieren, die ich für diese Tätigkeiten brauche.
Ich bin sehr aufmerksam, gebe tolle, intensive Berührungen und höre aktiv zu, gebe Tipps, versuche weiterzuhelfen und bekomme zu all dem auch klar positives Feedback.

Ich hab aber den Eindruck, dass ich das gerade garnicht richtig „ausschalten“ kann. Gerade bin ich im Urlaub, so dass ich mehr als gewohnt mit neuen Menschen in Kontakt komme und lerne hier immer wieder tolle Frauen kennen. Mit fast alle davon bin ich schon in Coaching-Situationen gegangen und hab eine Agenda mit ihnen gestartet.

Ein Teil von mir findet es voll schön weiter zu helfen und dadurch einen positiven Spinn im Leben der Frauen zu hinterlassen - daneben hab ich das Gefühl, dadurch selbst ein bisschen ausgeblendet zu sein. Also die Frau klar in den Mittelpunkt zu stellen und dadurch selbst nicht so sehr dort zu stehen.

Und ich merke, dass ich mich hüten will, da jeweils zu tief rein zu gehen.

Eine anbahnende Affäre oder Liebesgeschichte habe ich quasi abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht Lover und Retter gleichzeitig sein kann/will.

Kann sein, dass sich etwas in mir gerade gezielt Frauen aussucht, die ich begleiten kann, mit denen ich lernen kann.

Kann aber auch sein, dass etwas in mir automatisiert nach Entwicklungsfeldern der Frauen, denen ich begegne, sucht. Die meisten Menschen haben ja Themen mit ihrem Selbstwert, ihrer Sexualität usw. und wenn der Raum dafür angeboten wird, zeigen die sich auch meist leicht.

… hm, gleichzeitig spüre ich auch, dass ich mir ein offenes und entwicklungsorientiertes Feld mit meinen Loverinnen wünsche. Ich habe weder Lust auf schamvolles miteinander noch auf holes Rummachen. Das soll schon auch tief gehen. Mein zentraler Wunsch ist wohl, dass es ausgeglichen ist. Wir die selben Rollen haben. Beide nur Lover oder beide auch Coach.

Vielleicht habt ihr Anregungen, wie ihr es hinbekommt(?!) eure Lover nicht zu Klienten zu machen oder wie ihr mit dem Gefälle umgeht. Auch genug Platz für euch schafft.

 

Lea sagt:

LeaLieber Fragender,
in meiner Antwort sind die geschlechtsspezifischen Worte für alle sexuellen Zuordnungen gemeint.

Es bleibt nicht aus, den Liebespartner zu lenken oder Techniken beizubringen. Das finde ich "coachunabhängig" (würde ich auch tun, wenn ich keine Sexberaterin wäre).
Ihn zu fragen, ob er bei sich ist finde ich bei heterozentrierten Menschen notwendig (Menschen die andere verwöhnen wollen und sich selbst nicht genießen und nichts nehmen).

Vereinfacht wird die Sache, wenn ich mir selbst erlaube, mich mit Hilfe des Partners weiterzuentwickeln und mir dafür Raum nehme. Das bedarf manchmal einiger Erklärungen (die auch dem Partner zugute kommen).

Sich selbst das zu nehmen, was man braucht/sich wünscht; sich selbst zu genießen und dem Partner die Verantwortung für sich selbst zuzugestehen und sie ihm nicht abzunehmen ist meines Erachtens eine gute Richtung. Das funktioniert nur, wenn ich selbst grundsätzlich weiß, was ich brauche; dann noch in dem Moment meine Bedürfnisse wahrnehme und umsetze, ohne den Partner zu frustrieren (ja, es ist oft sehr anspruchsvoll, den anderen nicht zu frustrieren).

Wenn Du Dir diese Erfahrungen im Moment so aussuchst und schnell in die Helferrolle gehst, kann es sein, dass es eine Phase ist, die auch wieder abebben kann?

Viel Klarheit wünscht
Lea
Heilpraktikerin und Sexberaterin
www.coachlea.de


Ramos Strzygowski meint:

Lieber Body-worker,

das ewige Dilema: man geht von sich weg, um anderen zu helfen ... und schon ist da nur noch der Andere wichtig, und man selbst gar nicht mehr. Klingt bekannt - und ist in mehrerer Hinsicht fatal und falsch.
Das kann auf der Klient-Therapeut-Ebene noch funktionieren, wenn du dich als "Rolle" einbringst und nicht als Person... aber in einer persönlichen Beziehung ist es fatal... für dein Gegenüber ist da Niemand mehr, der als Person interessant wäre. Du fehlst.
Was ist es denn für ein Gefühl, statt eines Ratschlages (oder einer therapeutisch sinnvollen Intervention) dein eigenes Anliegen einzubringen, Dich nach vorn zu stellen? Traust Du Dich Dich zu zeigen?

Viel Erfolg
Ramos

Auf dem Weg zum eigenen Herzen,
über Körper, Geist und Seele:
www.Liebesschule.de

 

Thomas Beutler meint:

Hallo Bodyworker

Du scheinst gerade im Veränderungs- & Entwicklungsprozess hin zum Coach zu sein und toll, dass du dich dabei so genau beobachtest und merkst, wenn sich etwas in eine Richtung bewegt, die nicht wahrhaftig die deinige ist.

Was ist den deine Motivation auf privater Beziehungsebene die Rolle des Lehrers-/Wachstumsbegleiters einzunehmen, was überhaupt deine Motivation Menschen zu coachen? Wenn du dies für dich klar bekommst, kommst du dem näher, warum und was du da gerade innerlich anziehst. Was dein mögliches Wachstumspotential darin ist.

Welchen Vorteil hast du, mit neuen potentiellen Freundinnen ein Gefälle zu haben? Ich kenne dies aus meiner Vergangenheit auch, dass ich wie automatisch diese „sichere, vertraute Rolle“ einnehme. Nur ist dann eine wahrhaftige ganzheitliche Beziehung auf Augenhöhe kaum möglich; was du ja selber auch schon gemerkt hast. Welche Anteile in dir erschaffen dies so, wohin bringt dich dies, was vermeidest du damit?
Wenn dir dies unpassend ist, hilft nur klare Disziplin damit aufzuhören; damit es eine gute Chance gibt, in wahrhaftigen Begegnungen zueinander zu finden. Oder eben herausfinden, dass gerade es für dich ansteht eine Lehrer-Schülerinnen-Beziehung zu haben. Die negativen Bewertungen, die du vielleicht darauf hast zu zulassen & anzugehen und wenn es ein JA dafür gibt, die dafür passende Frau, die dort gerade auch steht zu finden. Mit ihr klar von Anfang an zu kommunizieren, um was es in eurer Kooperationsgemeinschaft geht.

Beruflich ist ein Coach aus meiner Sicht nicht wirklich ein Helfer und ein Retter schon gar nicht.
Ich biete für Menschen - die sich ein Thema von sich anschauen wollen - einen sicheren Hafen an dies zu tun. Gebe dazu passende Fragen und biete meine Sichtweise & Erfahrungen über die Hintergründe ihres Handels an. Unterstütze sie darin, die dahinter liegenden Gefühle in sich zu finden und zu erkunden. Die Klienten buchen mich dafür und in weit sie sich dabei auf die möglichen entdeckten Entwicklungs-Pfade begeben, bleibt völlig in deren Selbstverantwortung. Ich begleite sie in der von ihnen bezahlten Zeit, übernehme aber keine Verantwortung für deren Leben. Mein glückliches Dasein hängt nicht davon ab, das jemand eine bestimmte Straße im entsprechenden Tempo geht.

Helfer und erst recht Retter haben ein klares Bild, die Antworten wohin sich der Andere zu entwickeln haben; werden da dann auch oft missionarisch. Geben eine Zielvorstellung (über diese Straße helfen, sie aus dem Strudel ziehen, ..) ein und richten alles darauf aus, manipulieren dann das Gegenüber hin genau diesen Weg zu gehen. Wenn ich offen begleite. könnte es sich herausstellen, das es vielleicht sinnvoller ist, den diesseitigen Gehweg erst zu erforschen und zu finden, was mich da interessiert bzw. sich von dem Strudel in die Tiefe & Erforschung meiner Gefühle tragen zu lassen.

Thomas Beutler
Reise-ins-magische-ich@web.de

 

Harilal sagt:

Lieber Fragender,

ich habe lange überlegt, was ich dir antworten könnte. Mir gehen viele Dinge durch den Kopf, wenn ich deine Schilderung lese, aber am Ende blieb ein ganz kurze Antwort übrig, die sich für mich stimmig anfühlt.

Stell nicht die Frau in den Mittelpunkt, sondern die Begegnung!

In jeder einzelnen Begegnung kannst du so tief gehen wie du möchtest oder kannst, ohne auch nur einen Gedanken an die Rollen zu verschwenden. In dem du die Begegnung in den Mittelpunkt stellst, kannst du dem Anderen unabhängig von den eingenommenen Rollen von Mensch zu Mensch auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Viel Glück auf deiner Reise und liebe Grüße
Harilal
https://harilal.jimdo.com/


Zur Startseite

"Team Dr. Love" ist eine Idee von Dietmar Schneider, Berlin, © 2017 - Die Rechte an den Texten liegen bei den AutorInnen, © 2017
Impressum Datenschutz